HWP Diedenhofen - Bildhauer Maler Graphiker

Auf meinen Ausflügen durch den Stuttgarter Westen der frühen Sechziger Jahre gab es für einen Vierjährigen wie mich viel zu entdecken. Es gab noch geheimnisvolle Ruinen - grundstücke, frische Sahne im Waffelbecher vom Milchladen gegenüber, kaum Verkehr und parkende Autos und die Bundesgartenschau  in Stuttgart 1961 war frisch erfunden.

Die Stadt Stuttgart begann wieder in Bildhauerkunst zu investieren. Ich entdeckte eine Bronzeskulptur, die berühmte Liegende von Henry Moore,  ... Im Schlossgarten begegnete mir die Skulptur "Bewegung" von Wander Bertoni, welche so toll schwang  und einen tollen Klang, wie viele Edelstahlskulpturen, hat. Das Lindenmuseum in Stuttgart war mein Paradies mit all den fremdartigen bemalten Holzskulpturen und Steinskulpturen. Zur selben Zeit besuchte ich auch immer wieder das Jugendhaus Mitte Stuttgart wobei ich erste plastische Erfahrungen bei dem Künstler Heinz E. Hirscher sammeln durfte.

Ganz besonders begeisterte mich eine Skulptur von O.H. Hajek im Westen von Stuttgart. Diese Steinskulptur beeindruckte mich bei meinen Streifzügen immer wieder und ich liebte es sie mit allen Sinnen zubegreifen.

Dies sind die Wurzeln für meine tiefe Verbundenheit mit der Skulptur und der Bildhauerkunst. Es sollten noch viele Jahre vergehen, bis ich tatsächlich meinen ersten unmittelbaren und schöpferischen Kontakt mit Skulpturen und Plastiken hatte. Dieser war so beeindruckend, da sich mir die Sprache der Skulptur und Plastik völlig unvermittelt und in ihrer ganzen Vielfalt erschloss.

Seit 1997 beschäftigt sich meine bildhauerische Arbeit mit Denkstrukturen und Wahrnehmungsprozessen. Diese werden in Wand-, Boden-, Luft-, Raum-Installationen umgesetzt. Sie gestalten sich durch die Entwicklung von  farbigen Holzkulpturen und Holzreliefen, deren gemeinsame Formsprache die der “Brainfruits“ ist. 

Brainfruits stehen als Raumbilder von Gedanken, Denkmöglichkeiten, die ein freies Assoziieren besonders anschaulich machen. Brainfruits sind durch die freie Anwendung des Formprinzips der Hirnoberflächenstruktur entstanden. Diese Entstehung ist im Buch "Reflexionen - Kunst bei Fraunhofer" nachzulesen und kann hier bestellt werden. Es ist mir ein Anliegen durch meine Arbeit Kunst als Akt des Erkennens und Wahrnehmen begreifbar zu machen. Was uns allen gemeinsam ist, ist unser Denken und Wahrnehmen.

Damit ist die Art und Weise, auf dessen Grundlage diese Prozesse ablaufen, gedacht. Denken und Wahrnehmen verläuft innerhalb definierter Strukturen, die durch verschiedene psychosoziale Vorgaben (persönliche Geschichte, Herkunft etc.) beeinflusst werden.

DENKEN IST WORT - WORT IST FORM 
FORM IST WORT - WORT IST DENKEN

Das ist für mich auch gleichzeitig das Ereignisfeld auf dem sich assoziative Prozesse anknüpfen und Raum für Phantasien entsteht. Sehe ich etwas mit anderen Augen, hat sich eine Veränderung in der persönlichen Einstellung sowie der Sichtweise (die Augen öffnen) ereignet. Solche Erlebnisse lassen sich durch assoziative Ereignisfelder (Installationen) anstoßen. In diesen Zusammenhängen kann auch in Denk- und Wahrnehmungsstrukturen gedacht und verändert werden.

Künstlerportrait im Kunstportal Baden-Württemberg

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